ROTER WINKEL   

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Newsletter der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -  Verband der  Antifaschistinnen und Antifaschisten e.V. 
 E-Mail: vvn-vda@antifa-net.de 


Liebe Kameradinnen und Kameraden,
liebe Freunde und Freundinnen,

Am 2. und 3. April 2011 fand in der Humboldt-Universität  der 4. Bundeskongress der VVN-BdA statt. Auf unserer zentralen Homepage hatten wir dazu einen Liveticker eingerichtet, der aktuell und zeitnah über die Ereignisse, Referate und Diskussionen berichtet. Ihr findet ihn bis auf weiteres auf unserer Seite
               www.vvn-bda.de


 

Enthüllung der Gedenktafel für 71 Charlottenburger Antifaschisten am Freitag, dem 8.April 2011, um 16 Uhr in der Zillestraße 
Ehrung des Widerstandes im „kleinen Wedding“ im Januar und Februar 1933 - unter Teilnahme der 1910 geborenen Zeitzeugin und Schriftstellerin Elfriede Brüning, der Bürgermeisterin, Frau Thiemen, der Witwe des Schriftstellers Jan Petersen und von Angehörigen der auf der Tafel Geehrten.

Der Tatsachenroman „Unsere Straße“ von Jan Petersen gab den Anstoß dazu, 71 Gegner des Nationalsozialismus zu ehren. Der Ehrung liegen zwei Ereignisse zugrunde:
Am 30. Januar stellten sich Bewohner der Wallstraße (heute: Zillestraße) und ihrer Umgebung dem berüchtigten SA-Sturm 33 entgegen, als dieser tief in der Nacht im Siegesrausch durch diese Straße marschierte. Dabei wurden der Polizist Zauritz und der SA-Sturmführer Maikowski erschossen. Es besteht die Vermutung, dass dies durch einen SA-Mann geschah. 52 Demonstranten wurden in einem Schauprozess vor Gericht gestellt und obwohl das das Belastungsmaterial  zu dürftig für eine Mordanklage war, gab es Haftstrafen von bis zu 10 Jahren Zuchthaus.
Am 17. Februar 1933 kam es zu einem weiteren Vorfall: Die Mitglieder der Charlottenburger Häuserschutzstaffeln hatten sich in der Wallstraße getroffen und stießen auf dem Heimweg mit Nationalsozialisten zusammen. Dabei starb ein SS-Scharführer, wohl durch den Schuss eines SA-Mannes, denn die Gegenseite war unbewaffnet. Obwohl das Sondergericht „nicht zu der Überzeugung gelangte, daß Richard Hüttig den tödlichen Schuss abgefeuert hat“ (so das Urteil), wurde er dennoch zum Tode verurteilt und 15 weitere Angeklagte mit zu bis 15 Jahren Zuchthaus "bestraft". Schon vor Prozessbeginn waren mindestens drei Verhaftete von der SA zu Tode gefoltert worden.

Von diesen Gegnern des Nationalsozialismus in Charlottenburg ist bisher nur Richard Hüttig, der als erster politischer Häftling am 14. Juni 1934 in Plötzensee hingerichtet wurde, durch den nach ihm benannten Hüttigpfad und einer Plakette am Haus Seelingstraße 21 geehrt worden. Aber auch die anderen, die sich am Widerstand beteiligt haben, verdienen es, dass wir uns ihrer erinnern.  Da der Mittelpunkt ihrer Aktivitäten die Wallstraße war, bietet sich diese Straße als Ort des Gedenkens an, und zwar genau die Stelle, an der die Nationalsozialisten im August 1933 eine Gedenktafel für ihren Sturmführer Maikowski anbrachten, nämlich am Haus Nummer 54 (Haus der Jugend).